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Re: Elmi-Shows 08/2006


ELMAR HÖRIG (ex-SWF3 /-Rockland-Radio /-Radio Regenbogen RADIO KÖLN) FORUM

Geschrieben von Yogi am 13. September 2006 21:42:16:

Als Antwort auf: Re: Elmi-Shows 08/2006 geschrieben von pur am 13. September 2006 18:48:56:

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>>Hatte ich noch vergessen, deine Lieblingsband lief gestern in Kopfhörer, Pur!! Nur für Dich!! Altherrenabend, oder Weiber Stammtisch. Nix AC/DC o ä.
>Bandkäs' mit Musik
>Von Eric Pfeil
>Hartmut Engler: Seine Fans lieben ihn, weil er sie liebt
>08. September 2006
>Man möchte es sich eigentlich nicht so einfach machen. Gerade weil die Band „Pur“ das wohl am schwersten zu verteidigende Musikphänomen Deutschlands ist, will man als Kritiker dem Reiz widerstehen, die Band aus der schwäbischen Provinz mal eben abzuwatschen. Es wird ja wohl, so hofft man, genug Ansätze für eine differenzierte Betrachtungsweise geben. Doch schon nach wenigen Tönen und nur einem von Sänger Hartmut Engler intonierten Refrain versagt die Hoffnung. Sie duckt sich weg und nimmt Reißaus.
>Der Auftritt in Köln gehört zu einer für besonders harte Fans und besonders harte Journalisten veranstalteten Clubtournee. Soll heißen: „Pur“ sind zur Promotion ihres neues Albums „Es ist wie es ist“ relativ hautnah in „kleinen“ Hallen zu erleben. Hallen, die ansonsten von durchaus gut verkaufenden Charts-Künstlern für reguläre Konzerte bespielt werden, was verdeutlicht, daß „Pur“ kommerziell in einer eigenen Liga spielen; die (von Thyssen-Krupp präsentierte!) Arena-Tour im Herbst ist schon jetzt größtenteils ausverkauft.
>Gedudel aus dem FrĂĽhstĂĽcksradio
>Posieren fĂĽr das neue Album: Rudi Bittas, Ingo Reidl, Hartmut Engler, Joe Crawford und Roland Bless (v.l.)
>Das Positive vorweg: „Pur“ musizieren äußerst professionell, wirken allesamt wie freundliche Zeitgenossen, unterhalten innerhalb ihrer Grenzen lustvoll und routiniert und sind in Maßen sogar zu einer gewissen Selbstironie fähig. Das war es dann aber auch. Ein „Pur“-Konzert ist eine Reise an einen Ort, wo unter originalitätsfreiem Gedudel die Essenz aus dem gesamten Deutschrock-Schrecken der achtziger Jahre gepreßt und auf Schlager runtergekocht wird. Dies jedoch unter ohrenbetäubendem Jubel.
>„Es ist wie es ist“, der Titelsong des neuen Albums, eröffnet das Konzert: „Es ist, wie es ist, du bist, was du bist/Du lebst mit den Freuden und lebst mit den Leiden/Ob bitter, ob süß, was immer du fühlst/das hier ist dein Leben, und du kannst entscheiden...“ Wo immer der Reim ihn hinträgt, Engler muß munter hinterher. Der Saal tobt, zweitausend Kehlen brüllen: „Jetzt geht's lo-hos.“ Die Band winkt freundlich, der Sänger ballt die Faust. Engler, schon im Gesangsvortrag verbindlicher als die Auskunft und überakzentuierter als der Mann vom Frühstücksradio, verfällt in seinen ausladenden Ansagen gänzlich in die Rhetorik eines Tombolamoderators: „Klasse“ sei das alles hier und verursache „Gänsehaut“.
>Keine hormonbefeuerte Anhimmelei
>Kopf und Bauch der Band "Pur": Hartmut Engler
>Die Band feiere ja in diesem Jahr ihr fünfundzwanzigjähriges Bestehen, und so eine Bandbeziehung, das sei ja wie bei einem Paar, leitet er zum nächsten Song über. Der Song heißt „Mit dir“. Die Band schlagerpopt wie eine routinierte Dorffestkapelle drauflos, und Engler krümmt sich im lässig über der Hose getragenen Freizeithemd. Die ersten paar Songs stammen von der erst vergangene Woche veröffentlichten neuen Platte - und werden dennoch vom Publikum lauthals mitgesungen. Zwischen den Songs immer wieder Fußballchöre: „Oh, wie ist das schön!“ Der vierte Song, ein „richtig schönes Liebeslied“ (Engler) namens „Weil du bei mir bist“, sagt nicht nur viel über das Weltbild dieser Band, sondern auch über ihr Erfolgsrezept.
>Bei Engler bedingt die Liebe sich selbst: „Weil du bei mir bist, wenn das Leben weint/Weil du mich vermißt, auch wenn die Sonne scheint/Weil du mit mir gehst, weil du zu mir stehst/deshalb lieb' ich dich.“ Er liebt, weil er geliebt wird. Die Welt dreht sich beruhigend um sich selbst, was auch die Tumulte im Saal erklärt. Das hier ist keine hormonbefeuerte Anhimmelei, wie sie vielleicht einem Justin Timberlake entgegenschlägt; „Pur“, vor allem Engler, werden innig geliebt. Die Band funktioniert wie ein vermeintlich perfekter Partner: Es ist nie mehr da, als man sieht und hört, und das beruhigt. Und egal, ob es um Kinder in Not oder alte Menschen geht: Engler, ein gar nicht unsympathischer Mittvierziger, den diese Themen sicherlich ernsthaft beschäftigen, hat in seinen Texten manche Antwort parat, aber er stellt erschreckend wenige Fragen.
>„Pur“ polarisieren
>Natürlich kommen auch alte Hits zur Aufführung: „Abenteuerland“, „Funkelperlenaugen“, „Wenn sie diesen Tango hört“ - Schlagerrock zwischen Schwulst und Bedeutungsvortäuschung. Am Ende erzählt Engler noch, wie „Pur“ vor vielen Jahren zu ihrem Plattenvertrag kamen. Die Geschichte sagt alles über die geradezu extremistische Biederkeit der Band. Ob sie Lust hätten, Popstars zu werden, habe der Mann von der Plattenfirma damals gefragt. Englers Antwort: wenn dies denn der einzige Weg sei, Musik machen zu können, dann ja.
>Der Saal tobt, und man kann nur großäugig feststellen: „Pur“ polarisieren mehr als eine ihre eigenen Därme verzehrende Deathmetal-Band mit Tollwut. „Danke für den Glanz in den Augen. Danke für den Mut, sich zu trauen“, singt Hartmut Engler den hysterischen Abenteuerländlern im E-Werk noch entgegen. Was sollen dem „Pur“-Sänger schon schlechte Kritiken anhaben können? Er muß ein zufriedener Mann sein.
>Text: F.A.Z., 08.09.2006, Nr. 209 / Seite 35
>Bildmaterial: AP, ddp

Mit Deinem "unpuren" Zeichensatz wird die Sache zur reinsten (Lese-)Qual. ;-)




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