Wasser in Wein


[ SWF3 - Elmar Hörig - Rockland ]


Geschrieben von M.O. am 22. August 1999 at 11:41:53:

Als Antwort auf: SWR 3 geht's gut. geschrieben von Andreas O. am 03. August 1999 at 19:31:54:

Sorry etwas Wasser in den Wein schütten zu müssen...
nennt sich das Radioprogramm, das in ganz Deutschland und darüber hinaus als SWF3 bekannt war, SWR 3
Wurde und wird hochoffiziell bestritten und zwar mit gutem Grund. SWF3 nennt sich nicht anders. SWF3 wird eisern totgeschwiegen aus Rücksicht auf die zwangsfusionierten und teils umgesiedelten SDRler. Gleichzeitig gab Oberboss Voss die Parole aus an bestehende Erfolge anzuknüpfen. Ergebnis ist eine rein formale (äusserliche) Kopie von SWF3, nach dem bekannten Sinnspruch 'Oft kopiert und nie erreicht', mit allem was von SWF3 nach der Zerfusionierung
übrig ist.

Ein neues, noch besseres Programm wollte man machen, und die Fusion mit SDR 3 sollte dazu die Chance bieten.

Halt. Hier liegt eine typische dialektische Verdrehung vor, die man besser beachten sollte. Zunächst war die Fusion nicht erwünscht (besonders nicht von den SDR-3-Machern). Die Fusion ist trotzdem eine Chance, wenn man sie als solche begreift und angeht. Dies ist eine immer wahre Aussage und dient in diesem Argument als Konklusion.
Die Prämisse man wolle ein besseres Programm machen ist ebenfalls immer wahr und wurde auf infinitesimale Weise bei SWF3 bis 1994 gelebt: Jeden Tag ein wenig besser werden wie es die Entwicklung (der Mitarbeiter) erlaubt.
Das Argument jedoch ist ungültig selbst wenn man Prämisse und Konklusion gegeneinander austauscht, da weder für die Fusion ein besseres Programm noch für ein besseres Programm die Fusion notwendig ist. (Was auch entsprechend durch den Hinweis auf die Chance abgemildert wurde.)
In Wahrheit handelt es sich also nicht um ein Argument, sondern um eine kaum verhohlene interne und externe Drohung: Wer sich querstellt gefährdet die Fusion, die (unausgesprochen) unumgänglich ist.

Man hat versprochen, das Radiomachen nicht verlernt zu haben
Zum besseren Verständnis, diese Aussage war eine Reaktion auf aufquellende Vorabkritik an den Fusionsplänen im damaligen SWF3-Forum, das schon mal in SWF3-SDR-3-SWR3-Forum umbenannt wurde. Radiomachen verlernt man ebensowenig wie Radfahren, mithin wieder eine nicht zu widerlegende Aussage. Aber eine zu relativierende, denn es hiess nicht: 'Wir haben das SWF3machen nicht verlernt'. Und das hat auch seinen Grund im Totschweigen der SWF3-Erblassenschaft. Da für manche SWF3 mehr war als Radiomachen allein, packten sie ihre Koffer und gingen zu SWR1-RP. Dort wird, wenn überhaupt im SWR heute Radio neu entworfen, wie sich nach einem Jahr deutlich abzeichnet.

...von Sitzungen wurde berichtet, an denen Ideen nur so sprudelten
Wie Frank Elstner bereits sagte, die Phantasie der Zuschauer ist was beispielsweise 'Wetten Dass..?' am Leben hält. Wenn man jedoch bedenkt mit welchen Ideen die Pilotsendung überfrachtet war, Ideen die alle zugunsten einer einfachen, klaren Struktur fallen gelassen wurden, Struktur die immer den Zuschauer (Wetten, TED, Saalwette) in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, sieht man, daß Erfolge immer Ergenis dynamischer Prozesse sind.
Beim SWR wurden dagegen erstmal die Zäune hochgezogen, Nachfragen wurden mit nichtssagenden Versprechungen abgespeist und Zweifler mit ebenso nichtssagenden Pleonasmen abgespeist. Ergebnisse wie "Hiline-Show" oder "WildallTV" sprechen für sich. Die Konkurrenz lacht sich ins Fäustchen ob soviel eigenproduzierter Inkompetenz. Wozu also am Ende die Geheimniskrämerei zu Beginn, wenn die Ergebnisse alles andere als das Nonplusultra sind?
Das Festhalten an diesen Kopfgeburten macht die Sachlage noch unerträglicher.

Wenn wir nur einen Teil davon umsetzen können, dann...
Klingt doch wie zu große Augen beim Essen.
Kann gar nicht soviel essen wie ich kotzen möchte. (Dies ist ein Zitat)

Hörerproteste gingen zu 'zig Tausenden ein
Das bezweifele ich. Mehrer hundert ist richtiger. Es gab (und gibt) keine Anstürme deren sich SWR3 nicht erwehren konnte. Dies ist auch der Grund weshalb die Verantwortlichen das Aussitzen gegenüber ihren Chefs glaubhaft vertreten können. Nicht alle im System sind auf einmal schlecht.
Sorry, Leute, aber es ist die objektivste Annäherung an die Wahrheit.

Dem Intendanten waren diese selbstbewussten Leute von SWF3 sowieso ein Dorn im Auge.

Ganz großes Stop! Das ist eine Behauptung die schlicht falsch oder unbeweisbar ist. Dennoch ist es eine interessante Aussage, denn es klingt mir sehr nach:
Den SDR-3-Machern waren diese selbstbewussten Leute von SWF3 sowieso ein Dorn im Auge.
Es ist durchaus nachvollziehbar, eine nächsthöhere Instanz für Argumente zu missbrauchen wenn die eigene Interessengruppe im Visier ist und man dennoch ein wichtiges Argument in die Waagschale der Diskussion werfen möchte.

Auf die hatte man kaum Einfluss. Heute ist das einfacher, es gilt, den Indianern beizubringen, was sich die Häuptlinge ausgedacht haben. SWR 3 hat so gut wie keine Konkurrenz. Das Sendegebiet ist hoheitlich zugeteilt.

Sorry, aber keine dieser einzelnen Behauptungen ist wahr. Das stimmt alles so nicht. Ich verstehe zwar die beabsichtigte Aussage sehr gut, aber die steht da nicht.

Kultradio? SWF3 war demnach kein Kultradio, jedenfalls hat man früher nicht davon gesprochen.
Genau, denn Kult ist Lebens- und Ausdrucksweise verschrobener Minderheiten. Die Rocky-Horror-Picture-Show ist Kult. SWR3 ist Kult. Im Wildall leben ist Kult.

N a t ü r l i c h war SWF3 kein Kultradio.

Und die anderen? Ach ja, die sind auch froh, seit Elmi weg ist.

Das ist erstens blühender Unsinn an sich und zweitens welchem Argument soll es dienen. Daß Elmi es sich leisten konnte und möglicherweise persönliche Gründe hatte den Fusionswahnsinn bloßzustellen, ist schön für ihn und macht ihn zum Helden.
Aber der Umkehrschluß ist völlig falsch, alle Moderatoren müßten sich nun opfern oder den Aufstand proben. Denn er ist gleichwertig mit der Absicht sich mangels Selbstaufopferung an ihnen rächen zu wollen.
Ich respektiere die finanziellen und persönlichen Grunde eines Jeden, den ich jetzt noch bei SWR3 höre (eine Handvoll), der trotzden dabeibleibt und sich ein low profile gibt. Immerhin macht er seinen Job nicht schlechter.





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Eva Marbach      Go-Shopping


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