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Dicke Luft im SWR


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Geschrieben von Andreas am 11. Dezember 2000 11:55:50:

Hi!

Folgenden Beitrag gabs am Samstag im Online-Angebot der Frankfurter Rundschau zu lesen - ganz interessant.

Vor ein paar Tagen ist Bert Hauser in den Vorruhestand gegangen, mit 59 und
freiwillig. Vorher allerdings hat der Leiter der Fernsehredaktion für den
Großraum Stuttgart eine Abschiedsrede gehalten im Stuttgarter Funkhaus
des Südwestrundfunks (SWR), die es in sich hatte. Und die, gewiss ein
Novum in der Mediengeschichte, zu einem so ausführlichen wie herzhaften
Meinungsaustausch zwischen dem einstigen FAZ-Korrespondenten und den
von ihm attackierten SWR-Hierarchen im hauseigenen Intranet führte.
Kostproben aus Hausers Rede: Im Haus des fusionierten Senders herrschen
das Gefühl von Fremdbestimmung bei den Journalisten und die "Verachtung"
von deren Arbeit durch Hierarchen wie Intendant Peter Voß; Parteipolitik, und
zwar vornehmlich durch die CDU und zu ihren Gunsten, nimmt allmählich
"skandalöse Formen" an; das Ergebnis: Blockade und Fatalismus bei den
Programm-Machern.

Willi Steul, Christdemokrat wie Voß und Chef des Stuttgarter Sendehauses,
sah sich und den Intendanten beleidigt: "Würden Sie das Haus nicht
verlassen, erhielten Sie für Ihr ungeheuerliches, in höchstem Maße illoyales
Verhalten und wegen der durch nichts zu belegenden Unterstellung einer
politischen Einflussnahme in ,skandalöser Form' eine Abmahnung." Voß
selbst schrieb von "an Rufmord grenzenden Unterstellungen", von "ebenso
wehleidigen wie selbstverliebten Äußerungen". Im darauf folgenden
Schlagabtausch hat Hauser die Liste seiner Vorwürfe verlängert. Insbesondere
die Aufblähung der Hierarchien im über drei Standorte verteilten SWR nahm er
aufs Korn ("kafkaeske Züge", "institutionalisierter Wirrwarr"). Und: Für viele im
Hause spiele Voß, gewollt oder ungewollt, "eine Gottvater-Rolle". Der konterte
mit allerlei Sottisen ("Fleißarbeit", "Heldentum mit Vollkasko") und einer
längeren Schilderung, wie es zu dem von Hauser als "unsäglich"
gescholtenen Staatsvertrag über den Zusammenschluss von SDR und SWF
gekommen sei - unter parteipolitischen Druck habe er, Voß, sich jedenfalls
nie setzen lassen.

Nach Hausers Replik umfasst die Korrespondenz der Kontrahenten
inzwischen 20 Seiten. Im SWR sind die Ansichten geteilt. Viele meinen,
Hauser habe eine verbreitete "Stimmungslage" getroffen. Viele, oft dieselben,
meinen auch, Hauser hätte seine Ansichten nicht erst beim Abschied so
prononciert vortragen sollen. Andere sind empört über die harschen
Reaktionen der Angegriffenen. Wie üblich dreht sich auch diese Debatte am
Ende sehr um Stilfragen. Dass sie so unverblümt und für alle SWR-Mitarbeiter
zugänglich geführt wird, ist so oder so ein Fortschritt.





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