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Artikel von F. Laufenberg


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Geschrieben von flick am 20. Juni 2001 20:48:45:

Hallihallo! Heute war im "Trierischen Volksfreund" eine Kolumne von Frank Laufenberg (der ja in den letzten Diskussionen auch mal genannt wurde als SWF3-Veteran...) abgedruckt, die wie ich finde vom Thema doch ganz gut hier in das Thema paßt. Lest selbst...---flick---

KOLUMNE

FRANK LAUFENBERG ZU: ARD GEGEN PRIVATSENDER

Qualität vor Quantität


Letzte Woche fand eine Klausurtagung der ARD statt. Am Ende wurde erklärt, dass man sich "wieder mehr auf traditionelle Werte" besinnen wolle. Wie schön! Darauf habe ich lange gewartet. Immer war mir unerklärlich, warum die ARD dem Heiteitei der Privaten gefolgt ist. Denen blieb doch nichts anderes übrig. Die hatten keine Archive, aus denen sich tolle neue Sendungen bilden oder gute Sendungen wiederholen lassen. Die hatten keine ausgebildeten Journalisten, Kameraleute, Korrespondentennetze, Redakteure. Die mussten stets dünne Süppchen kochen und Seichtes senden ("In seichtem Wasser kann man nicht ertrinken"– Thoma/RTL). Und jetzt also möchte die ARD mehr Wissenschaftssendungen, Dokumentationen, Features – also Informationen senden. Im Fernsehen – und im Radio?

Auch hier ist man dem Treiben der Privaten hinterher gezockelt. Genügt es, platte Sprüche abzulabern und 500 Platten zu spielen, um Hörer zu haben? Bei den jährlichen Umfragen wurden bei den Privaten mehr und mehr Hörer gezählt und bei der ARD immer weniger. Masse statt Klasse? Die, die ein Radio angeschaltet haben, müssen keine Hörer sein. Die Kiste steht in der Ecke und dudelt. Und da bin ich der festen Überzeugung, dass diejenigen, die die ARD einschalten, mehr Grund zum Hören haben und weniger berieselt werden. Aber auch da müsste in etlichen Punkten zurückgerudert werden. In 1.30 (eine Minute, dreißig Sekunden) lässt sich manches sagen – aber nicht alles. Das Wort muss so lang sein, wie es spannend und interessant ist. Manches ist schon nach 0.30 (30 Sekunden) stinklangweilig – bei anderen Themen fühle ich mich als Hörer veralbert, wenn nach einigen Informationen wegen der erreichten 1.30 das nächste, nichtangesagte Musikstück läuft.

Und auch hier könnte die ARD auf ein Musikarchiv zurückgreifen, das den Privaten die Tränen in die Ohren treibt. Statt dessen laufen auch in der ARD viel zu viele der "geresearchten" Titeln, die einem inzwischen aus den Ohren hängen – mögen die Hits einst noch so groß gewesen sein. Und immer wieder wird von vielen Hörern das gute alte Hörspiel gefordert. Ewig wird mir in Erinnerung bleiben, wie Mathias Wiemann im Radio "Der alte Mann und das Meer" vorlas. Bis heute kann ich mir Hemingways Geschichte nur so vorstellen – so einfühlsam, eindringlich, traurig. Komm ARD – geh‘ hin und besinn dich auf das, was du immer besser konntest als die Privaten: Qualität vor Quantität.







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