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Der Spätzle-Intendant


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Geschrieben von Queerulant am 17. Dezember 2001 00:22:12:

Der Spätzle-Intendant

SWR-Chef Peter Voß und die literarische Freiheit

Was wird aus meinen Worten,

aus Versen, Sätzen, Silben,

ist mir gleich, ich hause

nicht bang in meinem Bau, ich lebe,

wo jeder mir aus meiner Rede

die Stricke drehen darf, die er

mir um den Hals legt.(Aus: „Was wird“, Peter Voß, 2000)

Wenn es um ihn selbst geht, hält Peter Voß, Dichter des Bändchens Zwischen den Kratern, viel von literarischer Freiheit. Wenn es um seine Mitarbeiter geht, eher weniger. Am heutigen Freitag treffen sich der Intendant des Südwestrundfunks, oder besser gesagt: seine Anwälte, mit dem früheren SWR- Moderator Gunter Haug vor dem Arbeitsgericht.

Der Mann war im November fristlos entlassen worden, weil er in seinem Roman Höllenfahrt kräftig über einen „Spätzlesender“ gelästert hatte. „Es ist zu befürchten“, schrieb Voß dem Personalrat, „dass Herr Haug auch in Zukunft von seiner literarischen Freiheit Gebrauch macht“. Der Deutsche Schriftstellerverband hat Voß aufgefordert, den Krimiautor wieder einzustellen: Haug habe keinen Tatsachenroman oder ein Sachbuch geschrieben, „sondern eine rein fiktionale Kriminalgeschichte. Wir halten die Verwechslung der Äußerungen fiktiver Personen mit der persönlichen Ansicht des Autors für bedenklich“. Fakt ist: Nur auf fünf von 230 Seiten wird der „Spätzle-Sender“ angesprochen, zudem war der Roman drei Monate auf dem Markt, als der SWR darauf aufmerksam wurde.

Das Syndikat, die Vereinigung der deutschen Krimiautoren, bescheinigte dem SWR-Chef sogar „ein gestörtes Verhältnis zur Literatur“. Bitter für Voß, der zusammen mit Marcel Reich-Ranicki regelmäßig die Literatur-Sendung Lauter schwierige Patienten moderiert.

Den Schriftstellern, die Voß für gestern Abend zu einer Diskussion über literarische Freiheit eingeladen hatten, wurde per Fax abgesagt. Haugs Kündigung liege nicht in dem Buch begründet, sondern in der „groben Verletzung arbeitsvertraglicher Loyalitätspflichten gegenüber dem SWR“. Es habe keinen Sinn, schrieb Voß, „darüber öffentlich mit Ihnen zu streiten“.Der Intendant meint es ernst: Weil der eigene Personalrat der Entlassung Haugs nicht zustimmen wollte, strengte Voß sogar ein Beschlussverfahren vor dem Verwaltungsgericht an.

Der geschasste Autor gibt sich optimistisch: „Ich will da wieder rein. “ Sein Anwalt Götz von Olenhusen hat schon Erfahrung in Arbeitsgerichtsprozessen gegen den SWR. 1999 vertrat er den fristlos entlassenen Moderator Elmar Hörig. Am Ende einigten sich Sender und Journalist auf eine hübsche Abfindung: 100 000 Mark.

TORSTEN BEERMANN

Quelle: SZ-Online




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