elmiland.de Rockland Radio
Elmar Hörig SWF3 Rockland Forum

Presse: Haug und die literarische Freiheit bleiben siegreich


Elmar Hörig SWF3 Rockland Forum

Geschrieben von Patrick am 04. August 2002 16:18:09:


20 neue Artikel in der ELMILAND PRESSEDATENBANK.

Den hier solltet Ihr mal lesen. Da weiss man doch wenigstens wofür man seine Gebühren bezahlt.


___

Haug und die literarische Freiheit bleiben siegreich
Quelle: Badische Zeitung vom 03.08.2002


Arbeitsgericht: Kündigung des SWR-Moderators war unzulässig

Die Kündigung des ehemaligen SWR-Moderators Gunter Haug war unzulässig. Dies entschied gestern das Arbeitsgericht Stuttgart. Haug, der sich per Kriminalroman abfällig über einen "Spätzlesender" äußerte, sei dabei von der "literarischen Freiheit" geschützt gewesen, so das Gericht.

"Höllenfahrt" hieß der Roman, in dem Kommissar Horst Meyer nebenbei mal über einen Fernsehsender "in der Landeshauptstadt" räsonierte. "Filz, Unfähigkeit, Cliquenwirtschaft und Intrigen" herrschten dort, bruddelte der schwäbische Kommissar vor sich hin. SWR-Intendant Peter Voß bezog dies auf seinen Sender und warf Haug erhebliche Verletzung seiner "Loyalitätspflichten" vor.

Ganz falsch, konterte der Journalist. Sein Roman spiele im Jahr 1992 und da gab es den SWR noch gar nicht, gemeint sei vielmehr der Süddeutsche Rundfunk (SDR), für den er, als alter Südwestfunk-Mann, aber nie gearbeitet hatte. Darauf kam es gestern gar nicht an. "Selbst wenn der SWR sich als Rechtsnachfolger des SDR mitangesprochen sieht, durften diese Äußerungen nicht zu einer fristlosen Kündigung führen", erklärte Richterin Margarete Berchthold. "Die Formulierungen waren zwar ausgesprochen unfreundlich, aber noch von der literarischen Freiheit eines Autors gedeckt."

SWR-Anwalt Peter Wiechmann hatte argumentiert, dass dem Sender eine weitere Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Moderator ("Abendmelodie") nicht zumutbar sei, da dieser das "Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beschädigt" habe. Haug habe im Roman den Kommissar nur als Stimme benutzt, um öffentlich gegen seinen Sender "hetzen" zu können. Tatsächlich sieht sich Haug beim SWR in der Rolle des unbequemen Mahners, der offene Diskussionen einfordere und deshalb bei den Oberen unbeliebt sei. "Die Sache mit dem Roman, war nur ein willkommener Anlass, um mich loszuwerden", glaubt Haug, der früher als Freund Lothar Späths galt. Vor einigen Jahren trat er jedoch verbittert aus der CDU aus, nachdem er sich erfolglos um die Intendanz beim SDR beworben hatte.

Zu Beginn der Verhandlung versuchte Richterin Berchthold noch einmal, Haug und den SWR zu einem Vergleich zu überreden. Bei einem Ende des Arbeitsverhältnisses hätte der SWR demnach 100 000 Euro Abfindung plus 50 000 Euro Gehalt (für die Zeit seit der Kündigung) zahlen müssen. Doch wie beim Gütetermin im Januar lehnte Haug ab: "Wenn ich das Geld nehmen und aufgeben würde, wäre das eine fatale Botschaft", sagte Haug erregt, "das würde das Klima der Angst und der Verunsicherung im Sender nur verstärken." Trotz seines Siegs kann Haug vorerst nicht auf seinen Arbeitsplatz zurückkehren, da noch andere Rechtsstreitigkeiten zwischen ihm und dem Sender anhängig sind. Und diese können erst geklärt werden, wenn das Verfahren um die Kündigung rechtskräftig abgeschlossen ist. Zunächst wird hier vermutlich der SWR in die Berufung gehen.

Christian Rath






Antworten:


Elmar Hörig SWF3 Rockland Forum