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Gerd Leienbach im Badischen Tagblatt


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Geschrieben von maske am 31. August 2002 12:39:49:

Im Badischen Tagblatt vom 31. August ist folgende Reportage zu lesen:

Der Schwarzwaldelch verdankt ihm seinen umwerfenden Erfolg
Gerd Leienbach gehört zu den Veteranen der Radio-Comics

Von BT-Mitarbeiter Matthias Kehle

Es gibt sie bei jedem Radiosender: Die Radio-Comics. Ihr Erfinder ist Gerd Leienbach, ein Pionier des Pop-Radios, der mit SWF 3 groß wurde. Angefangen hat alles ein wenig chaotisch, erinnert sich der heute 56-Jährige, der mit einer sechs in Mathematik fast durch's Abitur gefallen wäre. "Meine Lehrer haben mich auf eine fünf gehievt, denn ein Jahr länger hätten sie mich nicht ertragen", sagt Leienbach. Als Schulsprecher eines Gymnasiums in Opladen war er für seine Pauker wegen seiner politischen Ansichten ein rotes Tuch. Weil er mit 20 Vater wurde, keinen Beruf hatte und deshalb nicht heiraten durfte, verpflichtete er sich bei der Bundeswehr, verweigerte später aber den Eid: "Ich sagte meinen Vorgesetzten, dass vom Warschauer Pakt ja wohl keine Bedrohung ausginge." Gerd Leienbach konnte heiraten und fing eine normale Karriere als Journalist an. Beim Kölner-Stadt-Anzeiger machte er ein Volontariat, produzierte aber bald spektakuläre Geschichten, etwa in Beirut über das älteste Bordell der Welt. "Beirut war damals das Paris des nahen Ostens", schwärmt Leienbach und erzählt Geschichten vom "wunderschönen Taubenfelsen", aber auch vom Elend in den Palästinensercamps.
Zurück in Deutschland lernte Leienbach vor 30 Jahren Howard Carpendale kennen. "Ich hatte schon immer in Bands gesungen", lacht Leienbach. Carpendale hatte gerade wenig zu tun und sagte: "Gerd, ich produziere dich." So brachte es der Twen zu mäßig erfolgreichen Singles als "Schlagerfuzzi" unter dem Namen Iljan Darc. Mehr als 15 Jahre später hatte Leienbach alias „Fix & Fertig“ mit der Single "Der blonde Hans von der Bundesbahn" größere Chart-Erfolge.
Leienbachs Radiokarriere begann Anfang der 70er-Jahre bei Radio Luxemburg als Urlaubsvertretung. Frank Elstner schickte ihn 1975 nach Baden-Baden: Am 1. Januar nahm SWF 3 den Sendebetrieb auf - nicht nur für Leienbach der Beginn einer Radio-Epoche. "Was ich damals machte, heißt heute Morning-Show", erinnert er sich. Sein Chef Peter Stockinger experimentierte mit neuen Sendeformen - "heute heißt das Format". Leienbach erfand Figuren, die strategisch eingesetzt wurden, um das Programm zu unterbrechen. So geisterten in den ersten Radio-Comics Knut Buttnase und "unser Herr Schniepelpuhl mit seinem Ölkännschen" durch den Äther. Leienbach, der auch für NDR 2 und Radio Bremen arbeitete, saß eines Morgens einsam am Mikrophon. "Ich hatte keine dialogfähige Situation", erinnert er sich, "aber ein Hörer hatte mir eine Dose geschickt, die Möh machte, wenn ich sie umdrehte. Und schon hatte ich jemand, der auf meine Fragen antwortete" - der Schwarzwaldelch war geboren. Leienbach brachte seinem Chef sogar einen Plüschelch von IKEA mit. "Er fand ihn erst einmal furchtbar", letztendlich war diese Episode jedoch die Idee zum Radio-Merchandising.
Anfang der 80er-Jahre herrschte Aufbruchsstimmung im Radio. Matthias Müsli, König Dickbauch, Breitmaulfrosch und Spitzmaulfrosch - der Sender im Südwesten wurde weit über seine Grenzen hinaus Kult.
Neben seiner Rundfunkkarriere wurde Gerd Leienbach durch die Sendung "Bananas" zusammen mit Olivia Pascal, Herbert Fux und Hans-Herbert Böhrs bekannt. In 32 Folgen zur besten Sendezeit nach der Tagesschau präsentierte das Quartett von 1980 bis 1985 Popstars und Sketche. Zwischen Auftritten von Elton John, Rod Stewart oder Nena betrieben die vier Nonsens: "Ich hatte pro Sendung bis zu 20 Masken, etwa als Polizist, Pfarrer oder Penner", so Leienbach. Eine seiner Tanzpartnerinnen aus Gummi hängt heute noch im Treppenhaus seiner Ludwigshafener Wohnung.
Gerd Leienbach war der höhere Blödsinn allein zu wenig. Er war als Reporter unterwegs oder baute den zweiten Privatsender Deutschlands, Radio FNN in Hannover, mit auf. Nach Alkohol- und Drogenexzessen, die ihn in die Boulevard-Presse brachten, weil ein Querschläger aus dem Revolver seine Frau verletzte, rappelte er sich wieder auf und machte politische Reportagen, etwa in der Sendung "Im Blickpunkt" bei Radio Bremen. Eine wichtige Begegnung war dabei die mit Horst Biesold, einem Wissenschaftler, der sich mit den Zwangssterilisationen im Nationalsozialismus beschäftigte, mit den Folgen des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses." Biesold starb früh, setzte im Bundestag jedoch eine Entschädigung der Opfer durch. Gerd Leienbach produzierte mit ihm nicht nur Sendungen für Gehörlose für den Bayerischen Rundfunk ("Sehen statt hören"), zur Zeit arbeitet er an einem Theaterstück über ein besonders tragisches Schicksal, das in Hamburg auf die Bühne kommen soll.
Gerd Leienbach verdient heute noch bei dem Privatsender „RPR Zwei - das Schlagerradio“ sein Geld als Moderator. Für seine geistigen Enkel hat der Großvater der Radio-Comics nicht viel übrig. "Nach 45 Sekunden muss alles vorbei sein, und die Gags sind aus der Bäckerblume." Mit der Erfüllung eines Traums ist er gerade beschäftigt: Er schreibt ein Buch über die Pionierzeit des Pop-Radios, voll mit prallen Erinnerungen aus seinem beruflichen Alltag von gestern bis heute.





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