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Eine volle Ladung Kairo (aus der Süddeutschen Zeitung)


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Geschrieben von GL am 15. September 2002 21:49:18:

Da hier zwangsläufig zuweilen Themen aus dem Reich des SWR3 debattiert werden, erlaube ich mir, Euch mit einem Artikel aus der "Süddeutschen Zeitung" zu behelligen.



Eine volle Ladung Kairo

Gewinnspiel-Terror im Radio: Flüge sind voll im Trend, Hörerverdruss aber auch

Fluggesellschaften ging es ja auch schon mal besser. Wirtschaftskrise, weltweiter Terrorismus, Billigkonkurrenz. Da bleiben die Plätze in den Maschinen oft leer.

Auch dem Radio ging es früher besser. Im August bilanzierte die Branche ein Werbeumsatz-Minus von 10,3 Prozent ein. Und bald beginnt die Zeit, in der für die nächste Hörerstudie der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (MA) geforscht wird. Gerne lässt sich ja der Hörer mit Gewinnspielen einfangen. Besonders gerne mit solchen, die freie Flüge um den Erdball versprechen. Ganz nebenbei tun die Airlines als Partner der Radiostationen ein wenig fürs Image.

„Kooperationen mit der Reise- und Autobranche“ haben als Prämien das bare Geld abgelöst, glaubt Stephan Schmitter, Programmchef bei Radio Gong. Der Marktführer in München ist besonders offensiv ins Gewinnspiel-Business mit Flugreisen eingestiegen. Kürzlich wurden 500 innerdeutsche Flugtickets für Bürogemeinschaften ausgerufen.

Flugbereit gibt sich auch der öffentlich-rechtliche Konkurrent Bayern3, der Konzerte auf Regional- und Sport-Flughäfen ausrichten lässt. So flogen am vergangenen Wochenende Bro’Sis per Hubschrauber zum „On- Airport-Pop-Festival“ in Hof-Plauen ein, von wo aus zwei Besucher für einen Tag nach Mallorca jetten durften.

Ein überschaubares finanzielles Engagement. Beim SWR3 gibt man sich großzügiger. Die betont jugendliche Welle aus Baden-Baden flog am Samstag eine Airbus-Ladung Hörer nach Ägypten aus. Zwei Tage und eine lange „Pharaonennacht“ verbrachten die 200 Ratespiel-Teilnehmer am Nil, Fünf-Sterne- Hotel inklusive. „48 Stunden Luxus pur“ warb SWR3 auf seiner Homepage, die auch eine Sitzplatz-Skizze des A340 sowie eine Passagierliste führte.

Teures Image

Das Flugziel Kairo gilt zwar unmittelbar nach den 11. September-Gedenktagen nicht gerade als sensibel gewählt, doch „wir wollten uns von den gewöhnlichen Reisezielen abheben“, sagt SWR3-Sprecher Frank Bischoff. „Neue Wege im Marketing gehen“, nennt das der Partner Lufthansa. Er versucht mit solchen PR-Aktionen sein „recht traditionelles, teures Image“ abzuschütteln. Geschäftsreisende würden sich schon freuen, wenn ausreichend Boden- und Flugpersonal das regelmäßige innerdeutsche Fliegen erleichtern würde

Mit der „Pharaonennacht“ – Auftakt groß plakatierter Promotion- Projekte – nimmt SWR3 die Lufthansa in den Kreis der „Friends and Family“ auf, in dem schon Daimler-Benz weilt. Der Automobilkonzern stellt sein Werk in Rastatt zuweilen für Popkonzerte zur Verfügung.

Bescheidener präsentieren sich die öffentlich-rechtlichen Jugendwellen in Hamburg und Köln. N-Joy und EinsLive verlosen überwiegend „symbolische Preise“ wie CDs, T-Shirts und Konzertkarten, selten ein Flug zu einem Pop- Event, den die Sender aber aus eigener Tasche bezahlen.

Es wird schon lange diskutiert, wie weit ein öffentlich-rechtlicher Radiosender mit Gebührengeldern den Privaten auf diese Weise Konkurrenz machen darf. Eigenwerbung (etwa durch Jingles), die zu Lasten des Musikanteils in den letzten Jahren zugenommen hat, und Gewinnspiele gehörten zu den „Gepflogenheiten der modernen Radio-Formatierung“ , sagt der Berliner Medienberater Klaus Goldhammer.

Über den Nutzen von spektakulären Gewinnspielen gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. In Berlin, wo der Hitsender 104.6 RTL einmal eine Badezimmereinrichtung an denjenigen verloste, der seine alte zu zertrümmern bereit war, sei der Markt abgekühlt, weiß Goldhammer. „Die Hörer sind genervt von solchen Major-Promotions.“ Wäre ja schön.

SENTA KRASSER





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