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Elmar Hörig SWF3 Rockland Forum

Fundstück zu ELMI + Jugend, Sprache und Medien am Beispiel von Rundfunksendungen


Elmar Hörig SWF3 Regenbogen Radio Forum

Geschrieben von Yogi am 09. Juni 2003 12:43:58:

Ausschnitte aus der PDF-DATEI: http://www.fbls.uni-hannover.de/sdls/schlobi/hal/docs/hal-10.pdf
...nur mal so als Beispiel einer wissenschaftlich, linguistisch fundierten 'Gegendarstellung' zu Äußerungen gewisser
SWR-Advokaten bezüglich der Qualität von Äußerungen bestimmter Radio-Moderatoren... ;-)

LinguA, Uni Hannover, SS 2000 13.06.2000

Marlies Reinke:
„Jugend, Sprache und Medien“
am Beispiel von Rundfunksendungen für Jugendliche

[...] Ausschnitt von Seite 3 untere Hälfte
Das Sprachkonzept für "junge Sendungen" liege zwischen den Polen "elaboriert" und "anbiederisch sich
an Jugendsprache heranwerfen". Am besten sei es laut Kujawa, wenn Moderatoren natürliche, ihrem
normalen Sprachgebrauch ent sprechende Umgangssprache verwendeten. SFB-Redakteur W. Holler
(1988 in einem Gespräch in Berlin) sieht einen engen Zusammenhang zwischen "glaubwürdiger Sprache"
und Glaubwürdigkeit der Inhalte. Einige Sendungen sind erklärtermaßen reine Unterhaltungssendungen,
in denen es darauf ankomme, „ohne Pausen schnell und witzig“ zu sein (so formuliert es jedenfalls der
damalige SWF3-Moderator Elmar Hörig 1988).

[...] Ausschnitt von Seite 5 unten
Sind negative Konnotationen entstanden, so werden diese manchmal sogar explizit zurückgenommen,
z.B. bei Elmar Hörig „Elmi“ in der spielerischen Variante der Musiktitelabsage
„Face Your Life“ Pierre Cosso, Lift your Face, Pierre Kotzo – nein, die Platte is wirklich gut.


[...]Ausschnitt von Seite 9 oben
Extrem dialogisiert ist mit direkten Anreden, Imperativen und kompletten Frage-Antwort-Sequenzen
das folgende Beispiel. Hier wird er englische Songtext initiativ aufgefasst, der Moderator macht u.a.
Vorschläge für responsive Höreräußerungen.
„SWF3 – Hit Line" vom 16.08.87
Moderator: Elmar Hörig

M: [...] Und ebenfalls 4 is auch gleich geblieben: "I Can't Stop Loving You", Michael Jackson, ja, was solls, ich
dachte, der rückt mal auf 1. Ich hab die Platte wieder rausgezogen mit dem Spoken Intro, also da, wo er
redet. Er sagt dann: I love you, dann sagt ihr: yer, und dann sagt er: Äh I wanna lying next to you, dann sagt
ihr: yer, und und dann sagt er: you're beautiful tonight, kann ich nich beurteilen, weil ich seh euch ja nicht von
hier, ne, aber diese Version hab ich genommen, extra für euch. Bin ich nich klasse? Ja? Yer.

Auch wenn es nicht immer so dialogisiert zugeht, kann man doch feststellen, dass schon in den „alten“
Sendungen meines Korpus versucht wird, jugendliche Hörer auf verschiedene Weise in die Sendungen
einzubeziehen und damit die unidirektionale Kommunikationssituation zu durchbrechen. Neben den
eben erwähnten monologischen Äußerungen, die als Teil eines Dialogs mit den Hörern gestaltet werden,
gibt es „echte“ dialogische Textsorten (z.B. Interviews), durch die Rezipienten zumindest vorübergehend
auf die Kommunikatorseite gestellt werden – im Denken des klassischen Kommunikationsmodells
(vgl. Anhang) ausgedrückt.

[...]Ausschnitt von Seite 9
„SWF3 – Hit Line" vom 16.08.87
M(oderator): Elmar Hörig; H = Hörerin Claudia

1 [ ...]
2 E: Und jetzt bei SWF3: Das Hit-Monster.
3 M: Ha, das war erschöpfend. Das Hit-Monster heißt heute Claudia Abbé, und sie kommt aus Offenbach. Sie
ist 29 Jahre alt, und ihr Hobby is, in ihrer Freizeit, sie macht Mobiles aus pensionierten CDU-Politikern. Ihr
Leben ist ein Sonnenschein, ist aber sonst recht langweilig, nur ab und zu dadurch unterbrochen, dass ein
sexy Discjockey aus Baden-Baden sie anruft und sie bittet, die ersten drei Plätze der Hit Line vorzulesen.
Hallo Claudia! H: Ja, hallo.
4 M: Wie geht s dir? H: Och, ganz gut, bisschen aufgeregt.
M: Wieso das denn? H: Na ja, ich hab s noch nie gemacht.
5 M: Das ist das erste Mal? H: Ja.
6 M: Hmm. Die Leute sagen, das erste Mal sei immer gar nich so schlimm. H: Na, ich wills hoffen.
7 M: Okay, willst du loslegen oder willst noch vorher was sagen?
H: Ja, also, am besten grüß ich noch die Doreen.
8 M: Nee, ich meinte so zum Auflockern, meint ich, seit wann lockern denn Grüße auf?
H: Also, was sag ich: Ich bin nich 29, sondern 15. Und ähm ja also Mobiles bau ich eigentlich auch nich.
9 M: (LACHT) Aber ich/ ich hab/ ich hab mich vertan, du bist nich, aber Madonna is 29 heut, ne?
H: Ja, stimmt, hat Geburtstag, ja.
10 M: Und/ + Und du bist ein Madonna-Fan, H: ja

[...]
11 M: Hmh, sag mal, Claudia, gehst du nächste Woche zum Konzert?
H: Nee, ich darf nich, mein Vater erlaubt es net.*7
12 M: Du darfst nicht, warum? H: Mein Vater erlaubt es nicht.
13 M: Wie heißt dein Vater? Vorname! H: Werner.
14 M: Werner, + wenn du + die Claudia nicht schnurstracks zum Madonna-Konzert gehen lässt,*8
ähm + äh +was sollen wir machen dann? (LACHT) Wir/ wir hauen ihm eine ins Genick, nee
H: (LACHT) genau, das machen wir
15 M: nee, frag ihn nochmal lieb. Das/ d/ das kann nich/das darf nich wahr sein, du musst die sehen, du bist doch
´n großer Fan von ihr, oder?
H: Ja, ja, schon, aber s ist schon alles ausverkauft, komm ich doch nich mehr rein.
16 M: Au Mann, vielleicht machen wir noch was für dich, mal gucken, okay, Claudia? H: Ja, in Ordnung.
17 M: Schönen Abend noch, gell. H: Gleichfalls (?)
18 M: Werner, reiß dich am Riemen, + (HM) warst doch auch mal jung. Wie war das damals mit Elvis und so + und
der Hüfte vor und zurück, + und die Kleine darf nich. + Oh, wenn/ wenn se alt werden, werden se senil, is
immer dasselbe, + ach Mann.

*7 leise , *8 gespielt drohend






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